Die Stadt Bonn wurde vor einiger Zeit von der Bundesregierung als eine von fünf sogenannten „Lead Cities“ für Modellprojekte zur Luftverbesserung ausgewählt. Heiß diskutiert wurde über den Vorschlag eines kostenlosen Nahverkehrs. „In der Folge konnten die Beteiligten nicht oft genug betonen, wie wichtig ein Modellprojekt mit Blick auf die Verkehrsströme der gesamten Region sei. Wenn es nun ums Geld geht, interessiert sich niemand mehr für das Gerede. Man bleibt bei einer gestrigen Verkehrspolitik der Stadtgrenzen“, kritisiert der Vorsitzende der Jusos Rhein-Sieg, Mario Dahm.

Heute stellte der Bonner Oberbürgermeister das rund 40 Millionen Euro schwere Modellprojekt in Berlin vor. Außer einem angedachten betrieblichen Mobilitätsmanagement bleibt von einer Zusammenarbeit mit dem Rhein-Sieg-Kreis nichts mehr übrig. Das geplante „Klimaticket“ bezeichnen die Jusos als Mogelpackung. „Das ist nichts Halbes und schon gar nichts Ganzes. Der Vergleich mit dem 365-Euro-Ticket in Wien ist bewusst irreführend. Das Klimaticket soll nur für Neukunden und maximal ein Jahr lang gelten. Außerdem ist es auf das Bonner Stadtgebiet begrenzt. Damit werden gerade ländlichere Gebiete doppelt benachteiligt. Für ein vergleichsweise schlechtes Angebot muss weiter teuer bezahlt werden. Von einer gemeinsamen Verkehrspolitik ist nichts zu spüren. Auch treue Nutzerinnen und Nutzer des Nahverkehrs profitieren von diesem Scheinangebot nicht“, so Dahm weiter, der auch darauf hinweist, dass die Finanzierung gerade einmal für zwei Jahre gesichert ist.

Die Jusos Rhein-Sieg fordern stattdessen eine Verkehrswende und eine Mobilitätspolitik mit Blick auf die gesamte Region. So soll nach Vorstellung der Jusos ein „Ticket für alle“ für einen Euro am Tag und 365 Euro im Jahr im gesamten Verkehrsverbund Rhein-Sieg eingeführt werden, um Staus und Luftverschmutzung effektiv zu bekämpfen und Mobilität für alle zu ermöglichen. Mit dieser Forderung wird sich auf Antrag der Jusos auch der Kreisparteitag der SPD Rhein-Sieg im Oktober befassen. „Wer das für unfinanzierbar hält, sollte mal den volkswirtschaftlichen Schaden durch Dauerstaus und Luftverschmutzung berechnen“, so Dahm.

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